Lilienthal-Studie zu Correctiv

Im Rahmen eines Forschungsfreisemesters hat Prof. Dr. Volker Lilienthal, Inhaber der Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur an der Universität Hamburg, das Recherchezentrum Correctiv (Berlin/Essen) bei seiner Arbeit beobachtet. Die durchgeführte Fallstudie hat den Anspruch, Correctiv erstmalig wissenschaftlich zu beschreiben. Dabei kamen die Methoden Beobachtung, Leitfaden-Interviews und Gruppendiskussion zum Einsatz. Das Ergebnis steht als PDF zum Download zur Verfügung.

Das Recherchezentrum setzt sich zum Ziel, gemeinnützigen, gut recherchierten Journalismus für die Gesellschaft zu produzieren. Dabei ist diese neuartige Journalismusorganisation Teil einer Entwicklung, in der drei wesentliche Veränderungen im System des Journalismus beobachtbar sind: neue Dialogbeziehungen mit dem Publikum, neue Arbeitsweisen in crossmedialen Redaktionen sowie die Herausbildung neuer technikaffiner Ressorts (Datenjournalismus).

Typisch für Correctiv ist nicht nur der Grundsatz gründlicher Recherche, sondern auch die exklusive Zusammenarbeit mit ausgewählten Medien, die die vom Rechercheteam produzierten Inhalte veröffentlichen und so für Reichweite in die Gesellschaft hinein sorgen.

Das Phänomen, auf neuen Wegen Journalismus zu erproben, sieht Prof. Lilienthal motiviert durch mehrere in den 2000er-Jahren einsetzende Stränge der Journalismusentwicklung. Ihm zufolge gehört dazu eine Stärkung der Rechercheorientierung, die Gründung von medienübergreifenden Rechercheverbünden sowie das Engagement gemeinnütziger Stiftungen in der Journalismusförderung.

Doch welche Herausforderungen ergeben sich für die Marktbehauptung dieser neuartigen Journalismusorganisation?

Lilienthals kritische Hinweise hierzu sind im vollständigen Aufsatz nachzulesen. Defizite haben sich beispielsweise in der Umsetzung digitalen Storytellings gezeigt sowie in der redaktionellen Unterbesetzung des datenjournalistischen Ressorts. Kritisch sieht Volker Lilienthal auch die Kooperation von Correctiv mit Facebook. Das Recherchezentrum fungiert seit Mitte des Jahres 2017 als „externer Faktenprüfer“ für Facebook. Der Konzern wolle so gegen Fake-News vorgehen, hieß es damals.

Eines steht für Prof. Lilienthal fest: Die Potenziale von Correctiv sind bei weitem noch nicht ausgereizt. Der vollständige Aufsatz ist als Open Access verfügbar. Nach einem Double blind-peer review-Verfahren wurde er in der Fachzeitschrift Medien & Kommunikationswissenschaft (M&K) des Hans-Bredow-Instituts publiziert.

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Autor: Nea Matzen

Journalistin, Redakteurin, Autorin, Dozentin und Trainerin - Seminare: Schreiben fürs Netz, Onlinejournalismus, Recherche, Nachrichten schreiben, Verständlich schreiben - journalist, editor, author, trainer - teaching writing for the web, online journalism, research.